Dienstag, 24. Oktober 2023

Corona und wir

 

 Eine Pandemie

Und was sind die Lehren daraus?


Ziemlich unerwartet und unvorbereitet 
hat uns 2020 ein gewaltiges, ein weltweites Beben erfasst, das so manch andere Probleme im Alltagsleben und im Bereich der Politik in den Hintergrund gedrängt und relativiert hat. Ein Virus, dessen Bedrohungspotential wir bis dahin nicht wirk­lich wahrhaben wollten, hat fast schlagartig unser gewohntes Leben drastisch herunter gefahren und hat uns in eine tiefe Krisen- und Umbruchsituation gestürzt. Und selbst nach dem Abflachen der dritten Welle und den erkennbaren Impf-Erfolgen können die klügsten Experten immer noch nicht verlässlich ab­schätzen, wie tief greifend und wie nachhaltig diese Pandemie die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verhält­nisse bei uns und weltweit umgestaltet. 
Wird sich wohl die Annahme einiger besonnener Zeitgenossen bewahrhei­ten, wonach un­sere Welt nach überstandener Pandemie nie mehr die alte sein wird? 

Erwächst wirklich aus jeder Krise etwas Positives?

Es gehört fast zu meinen Grundüberzeugungen, dass aus jeder noch so schlimmen Krisensituation auch etwas Positives erwachsen kann. Im Falle von "Corona" sah und sehe ich einen ganz wichtigen Effekt darin, dass wir Erdenbürger wieder einmal erken­nen und akzeptieren müssten, wie begrenzt und hilflos wir letzt­lich sind und wie trügerisch und anmaßend doch unsere An­nahme ist, alles beherrschen zu können. Besonders eindrücklich zeigte sich dies für mich darin, dass sogar gigantische atombetrie­bene Flugzeugträger, mit denen die Supermächte ge­wöhnlich in Krisenregionen ihre Stärke demonstrieren und (ver­meintliche) Schurkenstaaten einschüchtern, vorübergehend von diesem unscheinbaren Virus außer Gefecht gesetzt wurden. Mehr Re­spekt und Demut gegenüber der Natur – andere mögen dafür Gott einsetzen – stünde uns also sehr wohl an. Mir ist aber auch klar, dass der ökonomische Einbruch und das in der Folge auf allen Ebenen betriebene Gegensteuern auf Pump langfristig eine Reduzierung in unserem bisherigen Anspruchsdenken und Konsumverhal­ten erzwingen wird, was in meinen Augen jedoch nicht unbedingt eine echte Minderung unse­rer Lebensqualität bedeuten muss. Denn ich sähe es tatsächlich als Gewinn an, wenn etwa keine weiteren protzi­gen Bettenburgen in hochalpine Landschaften oder an traum­hafte Küstenabschnitte gestellt würden, wenn sich Landespoliti­ker nicht mehr länger wie Marionetten von Tourismus-Managern gängeln ließen, wenn Skifahren wieder primär als sportliche Betä­tigung betrieben würde, wenn im Profi-Fußball die bisheri­gen horrenden Summen für Spieler und Transfers nicht mehr flie­ßen könnten, wenn kurze Flug-Trips zum Luxus-Shopping, zu Baller­mann-Stränden oder zum Wies’n-Besäufnis einfach nicht mehr angeboten würden. Die Wunschliste nach Rückkehr zu mehr Vernunft und Bescheidenheit wäre sicher noch beliebig erweiter­bar. 


Oder geht doch alles weiter wie gehabt?

Meine wohl ziemlich naive Erwartung, auch die Automobilin­dustrie würde nach dem tiefen Einbruch endlich ihre bisherige Strategie nach immer größer, schneller, öfter ändern und stattdes­sen die Produktion und das Marketing den beschei­deneren Bedürfnissen der künftigen Kunden anpassen, ist schon bald nach Krisenbeginn enttäuscht worden, als Lobbyisten zusammen mit einigen von lokalen Interessen gesteuerten Politikern eine nach meinem Dafürhalten völlig sinnlose und sogar unmoralische Abwrack-Prämie erzwingen wollten. Ebenso verdächtig erschien mir, wie in den vom Tourismus abhängigen südlichen Nachbarländern gleich nach der ersten Welle großzügige Lockerungen der Einschränkungen zeitlich exakt mit dem Beginn der Sommersaison zusammen fielen. Wenig ermutigend wirkte auf mich auch das egoistische Gezeter, als im Juli 2020 die EU-Regierungschefs unvorstellbar riesige Summen an gepumpten Geldern zu verteilen hatten. Als dann zum Herbstbeginn 2020 nahezu überall in Europa die Infektionszahlen wieder stetig in die Höhe schnellten, taten sich die verantwortlichen Politiker enorm schwer, die Lockerungen, die sie wenige Monate davor wie Geschenke verteilt hatten, wieder zurück zu nehmen, obwohl Appelle an Eigenverantwortung und Disziplin ganz offensichtlich wirkungslos waren. Somit erfolgte schließlich das zweite Herunterfahren des gesellschaftlichen Lebens fast wie eine vorhersehbare Konsequenz.


Doch ein wenig aus der Krise gelernt?

Vermutlich wird aber kein Weg mehr daran vorbei führen, den bisherigen Trend zur ökonomischen Globalisierung, der uns bei den Medikamenten bereits in eine bedenkliche Abhängigkeit von Asien gebracht hat, als Irrweg zu erkennen und die Ökonomie von morgen wieder stärker auf Europa und auf Regionalität auszurichten. Damit ließen sich ja auch die irrsinnigen Warentransporte rund um den ganzen Globus reduzieren, was zudem unsere geschundene Umwelt entlasten würde. Und schließlich bleibt zu hoffen, dass die beim Beginn der großen Krise von allen Seiten so eindringlich beschworenen humanen Werte wie Solidarität und gegenseitige Rücksichtnahme wieder nachhaltig an Bedeutung gewinnen, im privaten Leben ebenso wie in der Politik, ganz besonders auch im Umgang der Staaten und Völker miteinander.

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