Pack schlägt sich ...
Wer kennt ihn nicht, diesen ziemlich bösartig klingenden und doch auch einen Kern Wahrheit enthaltenden Spruch, den man in der guten Gesellschaft gerne genüsslich zitiert, um den soziologisch tiefer angesiedelten Mitbürgern eine gewisse Wechselhaftigkeit und Oberflächlichkeit in ihrem gesellschaftlichen Beziehungsgeflecht zu unterstellen. Verbunden wird mit dieser Aussage der Ratschlag, Streitereien in diesen Kreisen nicht allzu viel Bedeutung beizumessen und sich selbst möglichst heraus zu halten, weil ja erfahrungsgemäß die größten Streithähne von heute bereits morgen schon wieder die besten Freunde sein können und umgekehrt. Ob dieses abfällig beurteilte Verhalten tatsächlich in der sogenannten Unterschicht besonders auffällig verbreitet ist, wage ich nicht zu beurteilen. Ganz sicher wird man jedoch mit der Einschränkung auf eine einzige gesellschaftliche Gruppe der Wahrheit nicht gerecht, vielmehr lehren mich meine Beobachtungen, dass vergleichbare Verhaltensweisen auch in der bürgerlichen Mitte verbreitet sind und dass sie sogar – in subtilerer Weise – im Beziehungskosmos der Schönen und Reichen für eine ständige Labilität sorgen.
Was kümmert mich heute mein Geschwätz von gestern?
Ich selbst mache in meinen Kreisen, etwa in der Nachbarschaft, in meinen Vereinen und an Stammtischen, auch immer wieder die Erfahrung, dass selbst innerhalb kleiner Gruppierungen Sympathien und Antipathien oft abwechselnd verteilt werden, ohne dass ich für die vollzogenen Wechsel jeweils eine nachvollziehbare Veranlassung erkennen könnte. Da spalten sich oft vormalige Freundeskreise unvorhergesehen in Fraktionen, die sich plötzlich gegenseitig nicht mehr so recht grün sind und sich lieber an getrennten Tischen versammeln. Dies bringt mich als ahnungslosen Blockfreien manchmal in ein Dilemma, wenn ich mich argwöhnisch beobachtet fühle, welcher Seite ich mich wohl zuwende. Außerdem müssen vorübergehend abwesende Gruppen-Mitglieder immer damit rechnen, in den Gesprächen wenig wohlwollendem Gerede ausgesetzt zu werden, selbst wenn sie kurz davor noch bei anderer Gelegenheit Lob und Respekt erfahren haben.
Mein Feind soll nicht dein Freund sein!
Ähnliche Erfahrungen habe ich auch schon mehrfach im Kreise von Urlaubsgesellschaften oder innerhalb organisierter Reisegruppen machen müssen. Die Leute, die sich da für eine begrenzte Zeit zusammenfinden, scheinen zunächst gerne bereit zu sein, in den anderen Reisenden und Urlaubern lauter Freunde zu sehen. Das ändert sich jedoch erfahrungsgemäß schon ziemlich bald, wenn das von einzelnen Trendsettern ausgehende Getuschel Wirkung entfaltet und andere Teilnehmer zu unangenehmen Außenseitern stempelt. Vergleichbare Erfahrungen kann man auch an Urlaubsorten machen, wo sich manche Touristen schon seit Jahren kennen. Da erfährt man auch bald, wer wen nicht (mehr) leiden kann und wer seit welchem Ereignis mit wem nicht mehr redet. Wer als Neuer unbedarft in so eine Gesellschaft gerät, fühlt sich oft genötigt, sich zu einer Fraktion zu bekennen. So verderben sich viele der Angereisten die angeblich schönsten Wochen im Jahr.
Tröstliches Fazit: Der zweite Teil des zitierten Spruches, ... Pack verträgt sich, lässt sich ebenfalls nicht auf jene Schicht beschränken, auf die er gemünzt ist. Denn auch in meinem gesellschaftlichen Umfeld kann ich immer wieder erleben, wie sich ganz unerwartet lange gepflegte Aversionen plötzlich abbauen und alte Freundschaften wieder neu aufblühen.

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